Mittwoch, 18. März 2015

Geduld üben nach der Grippe

Eine echte Grippe hatte ich in meiner ganzen 13-jährigen Laufkarriere noch nie. 23 Jahre ist es her seit dem letzten Mal. Eine ganz neue Erfahrung also.
Ich hatte erwartet, wie nach einer banalen Erkältung oder der Lungenentzündung vom Herbst, ca. 10 Tage nach Erkrankungsbeginn wieder ins Training einsteigen zu können. Doch die Heftigkeit der Symptome - vor allem der tief sitzende Husten und das deutlich reduzierte Allgemeinbefinden - liessen noch länger gar keine Gedanken an Sport zu!


In unserer Ferienwoche in Lappland mussten die Laufschuhe im Koffer bleiben, und die geplanten Langlauftouren wurden gestrichen. 


Die Loipe im nahen Wald wollte trotzdem erkundet sein. Ihr anspruchsvolles Profil führte auch bei gemütlichem Wandern zu Schweissausbrüchen.
Unvergesslich wird dieser Ausflug allemal bleiben. Erstaunt vernahmen wir kaum drei Kilometer von zuhause entfernt Glockengebimmel. Geisterhaft still zog eine etwa 50 Tiere zählende Rentierherde durch den Wald, um am Südhang des Hügels unter dem aufgeweichten Frühlings-Schnee nach Flechten zu suchen. Lautlos trabten die nordischen Hirsche durchs Gehölz - die weissen Rentiere erschienen wie Gestalten aus der Märchenwelt - nur das Leittier, das eine Glocke trug, verriet deren Anwesenheit.


Andi drehte seine Jogging-Runden alleine und entdeckte dabei neue, im Sommer unzugängliche Wege, die Strecken für weitere gemeinsame Spaziergänge boten - wie hier der von der Stadt Lycksele kommende Winter-Fernweg für Schneemobile, Langläufer, Schlittenhundgespanne etc. auf dem zugefrorenen Fluss Umeälven. 



Wir stapften auch zum Wald am sonnigen Steilhang des Flüsschens Tannbäcken, wo ein paar vergessene Preiselbeeren und dicht mit Flechten bewachsene Tannen auf uns warteten ...




... und staunten über die langen Schatten auf dem Eis der kreisrunden Bucht des Umeälven.


Zurück zuhause verging fast eine weitere Woche, bis ich 18 Tage nach dem Ausbruch der Grippe die Laufschuhe aus dem Schrank nahm. Wie unendlich weit sich dieses 6 km-Wald-Jogging anfühlte!



Langsam, langsam tastete ich mich pulsgesteuert an eine Spur längere Strecken und bescheindene Tempo-Einlagen heran. Wobei es bei diesen ersten Lauf-Ausflügen vor allem darum ging, den erwachenden Frühling zu geniessen, Sonne zu tanken, sich über die Farbtupfer der Schneeglöckchen, Primeln, Huflattichblüten und Osterglocken zu freuen und die Rückkehr der Lerchen nicht zu verpassen!





Gestern wagte ich vier vorsichtige 1000 m Intervalle. Die Lerchen des Roggenachers begleiteten mich mit ihrem Jubilieren, in das ich trotz der bescheidenen Pace von 4:45 Min./km am liebsten mit eingestimmt hätte. Unterwegs in kurzen Hosen und T-Shirt spürte ich die Wärme der Sonne auf der nackten Haut, wie die Schritte wieder kraftvoller werden, dass ich lebe! Welch ein erhebendes Gefühl, wenn ich auf die vergangenen drei Wochen zurückblicke!

Wiedereinstieg nach der Grippe

Donnerstag 12.3.2015
6 km Jogging 6:13 Min./km / Puls 129
+/- 60 hm / 11° schön, 26 km/h O-Wind

Samstag 14.3.
10.1 km lockerer Lauf 5:58 Min./km / Puls 141
+/- 85 hm / 5° schön, 18 km/h O-Wind


Sonntag 15.3.
5 km Mitteltempo 5:20 Min./km / Puls 155
in 8.4 km 5:38 Min./km / Puls 148
+/- 70 hm / leicht bedeckt, Bise

Dienstag 17.3.
4 x 1000 m Intervalle 4:45 Min./km / Puls 160
in 13.1 km 5:35 Min./km / Puls 144
+/- 105 hm / 17° schön, sanfter N-Wind
Track https://connect.garmin.com/modern/activity/722198446

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