Samstag, 8. März 2014

Zurück im Schnee-(Sturm)

Noch nie bin ich so erleichtert wieder festen Boden unter den Füssen zu haben aus einem Flugzeug ausgestiegen! Unsere achte Winterreise nach Lappland verlief äusserst turbulent. 



Zuhause hatten wir schon vom zu erwartenden starken Westwind-Sturm gelesen, und bereits vor dem Start zum Flug Stockholm-Lycksele bekommen wir die Auswirkungen des Extrem-Wetters "Jorun" zu spüren. Das kleine Turboprop-Verkehrsflugzeug der Regionalfluggesellschaft NextJet (British Aerospace BAe ATP für maximal 68 Passagiere) wird speziell gewartet, die Crew legt eine zusätzliche einstündige Mittags-Pause ein. 

Vor dem Abflug erklärt der Pilot, sie hätten gestern Abend harte Überstunden geleistet, die Destination Gällivare wegen des schlechten Wetters nicht anfliegen können, nördlich nach Kiruna ausweichen und nach zu kurzer Nachtruhe extra früh den Rückweg antreten müssen. Aber nun seien sie gestärkt und fit für diesen Flug. Der weisshaarige Pilot hat mein Vertrauen, und ich freue mich (zu früh) dass der Sturm schon vorbei ist. 

Slalom fahrend geht's in Arlanda die Rollbahn hinunter, wir heben schräg ab und fliegen einige Sekunden später bereits weit neben der Piste. Starke Turbulenzen schütteln das Flugzeug beim Steigflug, der Reiseflug über dem Meer ist aber relativ ruhig.
Sobald wir wieder Festland erreichen, geht das Geschüttel wieder los, und vor dem Landeanflug berichtet der Pilot, dass wir gleich in einen Schneesturm eintauchen werden...

Die Landschaft ist trotz der Riesenwattekugel-Wolken immer zu sehen, während die Maschine wie in einer Schnee-Schüttel-Kugel tanzend den Wäldern, eisbedeckten Seen und Mooren immer näher kommt. Es geht auf und ab, das Flugzeug schlingert hin und her, unsere Laufstrecke kommt in Sicht - noch 10 Kilometer bis zur Piste!
Ich kralle mich am Sitz und Andi's Hand fest, der ganze Körper schmerzt vor Anspannung, das Herz klopft bis zum Hals, ein Adrenalin-Stoss jagt den nächsten. Wie um Himmels Willen sollen wir so gleich landen können?
Das Flugzeug jagt nur wenige Meter über die kreisrunde Bucht des Flusses Umeälven, der Sturm scheint ein paar Augenblicke den Atem anzuhalten, und als ob der wilde, luftige Ritt durch das Unwetter nur ein Spuk gewesen wäre, setzen wir butterweich auf. Puh wir haben es geschafft und ich bin geschafft!  






Während die Wolken abziehen, zerzaust der Wind die Birken immer noch heftig. Zuhause begrüsst uns unser erstaunter Nachbar, der nicht erwartet hatte, dass der Flieger bei diesem Sturm überhaupt kommen würde. Er kocht uns Kaffee, und wir können beim gemütlichen Plaudern wieder etwas entspannen und zur Ruhe kommen.

Wir schaffen es die Laufschuhe zu schnüren, bevor die Sonne untergeht. Nordschweden hinkt uns in Sachen Tageslicht nur noch eine knappe halbe Stunde hinterher.



Auch hier ist der Frühling nach dem ungewöhnlich warmen Winter einen Monat zu früh angekommen. Das Eis auf Flüssen und Seen ist trügerisch, und es liegt kaum mehr Schnee. Die Spikes lassen wir zuhause. Grösstenteils ist die Strasse bereits eisfrei.

Rückenwind pustet uns südwärts zum Badeplatz am Umeälven, durch den Weiler Tannsele und zum Wald, in dessen Windschatten wir ungestört laufen können. Die ganze beim Flug angesammelte Spannung und die Hektik der letzten Woche fällt sofort von uns ab. Wir atmen tief durch, und die Migräne, die mich drei Tage geplagt hatte verschwindet - herrlich! 


Der Halbmond steht schon am Himmel, während die Sonne hinter dem Wald versinkt und wir beim See Mevattnet den Rückweg antreten. Der Wind hat die Schneewolken davongetrieben, schläft nun langsam ein und leistet uns auf den letzten Kilometern kaum mehr Widerstand. 




12.2 km lockerer Lauf 5:32 Min./km / Puls 130 (73.0% max.HF)
+/- 105 hm / 0° schön, 23 km/h Westwind mit starken Böen
Track http://connect.garmin.com/activity/457122946

Kommentare:

  1. Liebe Marianne,
    oh Gott, da habt Ihr aber einen Flug erleben dürfen! Ich bin froh, dass ich das erst ganz selten hatte. Da spürt man sicher den Boden beim Laufen hinterher nochmals ganz anders! Es ist komisch, den Schnee zu sehen und hier strahlt die Sonne, es sollen heute 17 Grad werden, die Vögel zwitschern.
    Habt schöne Urlaubstage!
    Liebe Grüße
    Elke

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  2. Liebe Elke
    Die Piloten sind sich hier einiges gewohnt, tiefe Minustemperaturen, vereiste Pisten und Schneetreiben, doch Orkan-Ausläufer sind zum Glück nicht alltäglich. Das Gefühl wieder "geerdet" zu sein, war nach diesem Schüttelbecher-Flug besonders wohltuend und eindrücklich.
    Der Frühling naht auch im Norden mit zu grossen Schritten. Die ersten Zugvögel sind mehr als eine Monat zu früh angekommen. Die aussergewöhnliche Wärme bringt die Einwohner um den Genuss ihrer liebsten Jahreszeit, des "Frühling-Winters". Die Tage werden bald länger sein als unsere, die Sonne scheint herrlich, doch die Schneemobile und Tourenskis müssen in der Garage bleiben, denn es hat kaum noch Schnee, das Eis auf den Gewässern schmilzt und im Wald liegen nach dem Sturm die Bäume kreuz und quer.
    Wir geniessen die Ruhe hier wie immer und sind nicht traurig, dass wir die Spikes zum Laufen diesmal nicht brauchen.
    Liebe Grüsse
    Marianne

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