Montag, 8. Juli 2013

Gegen das Lehrbuch

Bereits gestern haben wir uns vorgenommen, heute Abend 1000 m Intervalle zu laufen (dem Terminkalender zuliebe). Schnelle 1000er passen aber laut Trainingslehre am Tag nach einem Longrun wie eine "Faust auf's Auge"! Oft fällt mir am Montag gar das kurze regenerative Jogging schwer. Dementsprechend verfolgte mich unser Plan letzte Nacht bis in die Träume. Schnelle 1000er sind wir zum letzten Mal anfangs März vor dem Kerzerslauf gelaufen. Ich frage mich ernsthaft, ob ich motorisch überhaupt noch fähig bin, schnell zu rennen? 

Gegen Abend klettert das Thermometer auf 26°. Wir nehmen zum Einlaufen den direkten Weg zum Nachbardorf hoch. Bis wir den "Roggenacher", eine Nebenstrasse zwischen Getreidefeldern erreichen - den einzigen einigermassen flachen Kilometer in der näheren Umgebung - kommen wir schon tüchtig ins Schwitzen. Ein zügiger Nordostwind weht uns über die Intervall-Ebene entgegen. Das kann ja heiter werden!

Los gehts! Tatkräftig stemmen wir uns gegen den Wind. Die ersten schnellen Kontrollblicke auf die Garmin überraschen mich positiv, Andi zieht dennoch davon. So lange es geht, versuche ich von seinem Windschatten zu profitieren. Doch der Abstand wird schnell zu gross. Nach 4:19 Minuten erlöst mich das Kilometer-Signal der Garmin. Da die Roggenacher-Ebene nicht eben ist, sondern fast unmerklich aufwärts führt, hätte ich bei diesen Windverhältnissen etwa 4:30 Min. erwartet (im Schnitt über alle 1000er ca. 4:20 Min.).

Wir gönnen uns eine extra lange Trabpause von 800 m. Der Rückweg fühlt sich geradezu entspannend an. Der Wind schiebt uns spürbar. Ich versuche mich möglichst breit zu machen. Nun fehlt aber der kühlende Gegenwind. Die Sonne kommt noch einmal hinter dem gewittrigen Dunstschleier hervor und brennt uns direkt ins Gesicht. Ich habe das Gefühl zu glühen - nach 4:05 Minuten sind wir wieder zurück beim Ausgangspunkt.


Nach einer weiteren 800 Meter Pause wiederholen wird das Spiel mit dem Tempo noch einmal. Die Beine sind aus dem Langstrecken-Trott erwacht, und es gelingt, hin und zurück je noch einen Hauch schneller zu laufen, nicht ohne dabei wahrzunehmen, wie sich das Rauschen in den Getreidefeldern in den letzten Tagen verändert hat. Die Halme sind schon fast ganz gelb und strohtrocken. Und das Heu duftet wunderbar nach Sommerferienzeit. Dann lassen wir es gut sein für heute.

Zum Auslaufen schlagen wir den längeren Weg nach Hause ein. Ausgiebiges Runterfahren muss offenbar sein. Obwohl wir jetzt ganz locker unterwegs sind fragt uns eine Frau bei der Postautohaltestelle bedauernd: "Isch Euch e chli heiss?". Sie scheint aber selber vom Schleppen ihres Gepäcks ebenso erschöpft wie wir, ihr Kopf ist etwa gleich rot. 

4 x 1000 m 4:11 Min./km / Puls 166.7
1. 1000 m 4:19 / Puls 162 (5 hm "aufwärts", Gegenwind)
2. 1000 m 4:05 / Puls 166 (5 hm "abwärts", Rückenwind)
3. 1000 m 4:17 / Puls 169 (5 hm "aufwärts", Gegenwind)
4. 1000 m 4:03 / Puls 170 (5 hm "abwärts", Rückenwind)
in 12.4 km 5:30 Min./km / Puls 146
+/- 75 hm / 26° gewittrig feuchtheiss, 8 km/h Nordostwind
Track http://connect.garmin.com/activity/339468962

Kommentare:

  1. Hallo Marianne,
    Ihr habt Euch ja ganz schön Mühe gegeben. Ich konnte bei Deiner Schilderung in Gedanken ganz gut mitlaufen, allerdings würde mir die Geschwindigkeit fehlen ... ;-)
    Manchmal kann es eben auch entgegen der Lehrbuchempfehlung sein. Hauptsache, Ihr habt ein gutes Gefühl dabei.
    Liebe Grüße
    Elke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Elke
      Das Tempo ist nur ein Mass, ein Intervall zu beurteilen. Nimmt man den Grad der Anstrengung, dann sind 1000er anspruchsvoll, egal ob man mit ca. 90% der maximalen Herzfrequenz 5:30, 4:30 oder noch weniger Minuten pro Kilometer läuft ;-)
      Hauptsache man macht sie, wenn man einen schnellen Lauf vor hat. Ich muss mich immer dazu überwinden, und schliesslich macht es meist doch Spass!
      Liebe Grüsse
      Marianne

      Löschen
  2. Großen Respekt bei denen Temperaturen und den Vorprogramm eine solche Intervalleinheit durchzuziehen!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke Markus
      Ein Intervall direkt auf den Tag nach einem Longrun zu legen, das haben wir noch nie gewagt. Da wir bald einen 10 Kilometer Lauf vor haben und schon monatelang nicht mehr so schnell gelaufen sind, wollten wir das Experiment wagen. Ich hoffe, der Plan geht am Schluss auf ;-)

      Löschen
  3. Das Intervall nach dem Longjog-Tag kann ja - bei gutem Trainingsstand - durchaus eine Herausforderung sein und einen neuen Trainingsreiz auslösen. Hoffen wir's doch!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das hoffen wir auch Chris! Eigentlich bin ich der Meinung, dass meistens weniger besser ist als zuviel! In den ersten Tagen nach dem Intervall-Experiment lief das Training super. Doch nun, zwei Tage vor dem 1/4 Marathon fühle ich mich müde?!
      Wer weiss, was dieser Nordschwedsiche Lauf bringen wird, von dem wir nur wissen, dass die Strecke kupiert ist - bestimmt eine weitere Herausforderung ;-)
      Gruss Marianne

      Löschen