Heute begleitete ich eine Delegation der lätti runners an den Emmenlauf, den 10.5 Kilometer langen Abendlauf von Utzenstorf nach Aefligen und zurück, welcher auf Naturwegen der Emme entlang führt. Das Auto-Thermometer zeigte auf dem Weg 31.5° an. Und als wir im schattigen Wald parkten, sank die Anzeige nicht unter 30°.
Bereits vor dem Einlaufen schnappten wir uns beim Wasserbecken im Zielbereich einen Schwamm und benetzten uns grosszügig. Angesichts der gewittrigen Hitze mussten wir unsere Ziele für diesen Lauf revidieren. Im Training hatten Arlette, Fränzi und Lisa darauf hingearbeitet, eine Pace von 5:00 Min./km über 10 Kilometer zu schaffen. Aber es wäre unvernünftig gewesen, bei 30° im Schatten an dieser Traum-Geschwindigkeit festzuhalten. Laut Hitzeregel hätte heute eine Leistung von 5:30 - 5:40 Min./km einer 5:00er Pace bei "normalen" Bedingungen entsprochen (Pro Grad über 23° resultiert 2 % Pace-Verlust).
Die Frauen beschlossen 5:20 Min./km anzustreben und engagierten mich als Pace-Makerin. Cornel wollte auf alle Fälle die 5:00 Min./km Schallmauer knacken.
Während des Einlaufens hatte leichter Dunst die Sonne verhüllt. Aber beim Einstehen strahlte sie wieder unbarmherzig auf uns nieder. Wir reihten uns in der Mitte des Startfeldes ein und kamen gut weg, obwohl die Strecke sich nach wenigen Metern verengt und direkt auf den schmalen Naturweg entlang der Emme führt.
Cornel verschwand mit seinem leuchtorangen Lucerne-Halbmarathon Finisher Shirt wie ein Blitz im bunten Strom der Teilnehmer, und wir wurden von einer dichten Staubwolke eingehüllt, welche die vielen Läuferfüsse vor uns aufwirbelten. Wir fühlten uns in eine trockene Steppe Afrikas versetzt und wähnten uns mitten in einer von Löwen gehetzten Antilopenherde. Viele Mitläufer überholten uns in rasendem Tempo.
Wir versuchten zusammen zu bleiben und uns nicht von der Start-Euphorie der anderen anstecken zu lassen. Langsam legte sich der Staub, und im schattigen Wald war es nicht so drückend heiss wie erwartet. Ich war gespannt auf die erste Zwischenzeit. Die Sägemehl-Markierung samt km 1 Schild passierten wir laut Stoppuhr nach 5:13 Min., und unsere Garmins piepsten alle etwa zehn Sekunden später. Ich beschloss, trotzdem leicht zu bremsen.
Locker rannten wir auf dem Emmen-Damm durch den grünen Blätter-Tunnel. Das Feld hatte sich verteilt, und es war nicht sonderlich schwer, sich zu viert einen Weg zu bahnen. Wir liefen je zwei vorne und zwei hinten auf jeder Wegseite und liessen in der Mitte eine Gasse für überholende Läufer frei. Ab dem 3. Kilometer hatten wir genug verlangsamt, unseren Rhythmus gefunden und erreichten die Streckenmarkierungen fast sekundengenau in 5:20er Pace.
Trotz Schatten wurde es uns zunehmend heisser, und ich versuchte zu erfrischenden Gedanken anzuregen, meine Truppe an die eiskalten Wintertrainings denken zu lassen oder sie bei einem Wehr auf das erfrischende Rauschen der Emme aufmerksam zu machen.
Die Verpflegungsstelle beim fünften Kilometer war eine Herausforderung. Nach dem "Aufstieg" der Flussrichtung der Emme entgegen, machte sich erste Müdigkeit breit, und wir drohten einander nach dem Wasser Fassen und Trinken zu verlieren. Über die Brücke bei Aefligen wechselten wir ans andere Emmenufer, und unsere Gruppe wurde dabei auseinander gezogen.
Glücklicherweise ging es nun mit ganz sanftem Gefälle flussabwärts. Kilometer 6 erreichten wir mit nur vier Sekunden "Verspätung" auf die Marschtabelle, und die lätti runners hatten wieder zusammen gefunden.
Der Rückweg auf der eher eintönigen Wald-Tunnel-Strecke zog sich dahin. Ab und zu konnten wir einen Blick auf die wenig Wasser führende Emme werfen oder motivierten uns kleine Zuschauer Grüppchen. Manchmal wechselte der Untergrund. Besonders eine Passage mit grossen rundgeschliffenen Steinen forderte grösste Aufmerksamkeit.
Auf dem letzten Drittel wurde es wirklich hart. Der Schweiss floss in Strömen, die Gesichter glühten, die Gruppe wurde stiller, aber der Zusammenhalt und der Wunsch, das Ziel gemeinsam zu erreichen immer grösser. Jeder schaute zum anderen, und ich versuchte, weiter ganz gleichmässig zu ziehen und weder zu viel, noch zu wenig auf meine Mitläuferinnen einzureden. Der Tipp nun alle vorhandenen Ressourcen zu nutzen und die Haltung noch einmal zu optimieren, schien jedenfalls hilfreich gewesen zu sein.
An der nächsten Wasserstelle füllte ich meine Trinkflasche auf, und wir verpflegten uns fliegend, ohne Zeitverlust. Trotzdem wollte die 10 Kilometer Marke einfach nicht auftauchen. Plötzlich waren wir an dieser Stelle 9 Sekunden im Rückstand.
Die letzten 500 Meter des Emmenlaufes sind schwierig. Auf staubigem Untergrund geht es unter der Brücke hindurch, über welche die Hauptstrasse über die Emme verläuft. Der Raum darunter ist so niedrig, dass man den Kopf einziehen muss. Eine enge Kurve führt auf die Brücke. Schliesslich sieht man bereits das Ziel, erreicht es aber erst nach dem Umlaufen des Turnhallengebäudes. So ist es nicht einfach, auf den letzten Metern noch Zeit gut zu machen.
Die lätti runners haben es dennoch geschafft und erreichten das Ziel wunschgemäss mit 5:20er Pace nach 55:56.1 / 56:00.1 und 56:01.3 Minuten, und ich machte nach 56.02.0 Min. das Schlusslicht.
Wir fielen uns um den Hals, als ob wir an der Olympiade das 4 x 100 m Staffelrennen gewonnen hätten und waren einfach überglücklich über den trotz tropischer Sommerhitze rundum geglückten Lauf.
Cornel wartete bereits auf uns. Er war nach sensationellen 48:12.3 Min. (4:35 Min./km) über die Ziellinie gelaufen.
Emmenlauf Utzenstorf 10.5 km / 5:20 Min./km
Puls 146 / +/- 20 Höhenmeter / 30° schwülheiss!!!
Track http://connect.garmin.com/activity/210972499
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Mittwoch, 15. August 2012
Sonntag, 10. Juni 2012
Präzisionsarbeit am Frauenlauf
| Die Pace-Maker-Rucksäckli... |
Vor sechs Uhr klingelte mein Wecker, damit ich mich rechtzeitig verpflegen konnte, wie vor jedem wichtigen Rennen. Um sieben reiste ich mit dem Zug nach Bern, und um acht wurden alle 12 Zug-Läuferinnen in der Post am Bärenplatz von Florian, einem Mitarbeiter von Ryffel Running Events mit Rucksack und Pace-Maker-Ballon ausgerüstet.
Gemeinsam liefen wir bis zum Startbereich ein. Dabei kam etwas Hektik auf, weil sich ein nicht richtiger festgebundener Ballon selbständig machte, und schnell Ersatz besorgt werden musste. Es reichte noch für ein Erinnerungsbild vor dem Elite-Feld und letzte Instruktionen. Wir bekamen die Anweisung, sehr regelmässig zu laufen und 20 Sekunden vor der auf dem Ballon notierten Zeit im Ziel zu sein.
| ... spürt man beim Rennen zum Glück kaum |
Obwohl ich auf den ersten Metern sehr schlecht vorankam, warnte mich meine Garmin beim Abbiegen Richtung Monbijou-Brücke, dass ich mit 4:50 Min./km zu schnell unterwegs sei. Das dabei Sein mitten im bunten Läuferinnen-Strom, die Musik am Strassenrand und der Applaus der Zuschauer beflügelte mich so sehr, dass ich mich am liebsten hätte mitreissen lassen. Doch um meiner Aufgabe gerecht zu werden, trat ich natürlich sofort auf die Bremse, und genoss es, dass mir mein erstes etwas schnelleres "Training" seit dem Marathon so locker von den Beinen ging.
Auf den zwei Kilometern zurück in die Innenstadt geht es oft bergab, und da musste ich mich sehr bemühen, nicht zu viel Gas zu geben. Es ist gar nicht so einfach, in einem Wettkampf gemütlich zu laufen. Und dennoch ein schönes Erlebnis, ausreichend Zeit und Energie zu haben, die Umgebung und die Stimmung zu geniessen und da und dort ein Wort zu wechseln.
Laut meinem Marschplan lief ich 15 Sekunden zu früh über die 5 Kilometer-Messmatte. Erneut versuchte ich dosiert bergab zu rennen und meine Mitläuferinnen auf der zweiten Runde, die diesmal bis ganz zum Thunplatz hoch führte möglichst zu schonen.
Während das Getrappel der Laufschuhe wie Musik in meinen Ohren tönte, wurden die Störgeräusche immer lauter. Einige Läuferinnen atmeten nun sehr angestrengt. So gut das ging versuchte ich sie zu unterstützen, zu motivieren und Lob zu verteilen. Ein paar fragten ob wir gut im Zeitplan unterwegs seien oder sagten, es sei ganz toll, dass es Pacemakerinnen gäbe. Eine junge Frau meinte gar, ich sei ihre Rettung.
| Bunt geschmückte Zielgerade |
Ich war erstaunt, wie viele Läuferinnen sich bei mir für die Tempo-Macher-Dienstleistung bedankten, während wir zur Finisher-T-Shirt-Ausgabe marschierten. "S' isch super gsii" war der Kommentar der meisten. Schön, dass meine Präzisionsarbeit vielen einen Dienst erweisen konnte.
| ... vor dem Bundeshaus in Bern |
Frauenlauf Bern / 10 km / 54:42.2 / 5:28 Min./km / Puls 140 /
+/- 85 Höhenmeter
Track http://connect.garmin.com/activity/187487212
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