Samstag, 13. September 2014

Schon wieder Zeit zum Abschied Nehmen

Nach einer regnerischen Nacht strahlt die Sonne ...


... und wir machen uns auf zu unserem lockeren Abschieds-Training. Es führt uns zum Storbacksjön, den wir im Sommer entdeckt hatten. Auf vielen weiteren bekannten Wegen wären wir gerne gelaufen - doch diese Woche ist viel zu schnell verflogen.




Hatten wir das Gefühl, im Sommer die schönste Jahreszeit in Schweden erlebt zu haben, so sind wir nun doppelt fasziniert vom Herbst. 


Wir sagen dem Wald, der nun vor lauter Pilzen, Beeren und buntem Laub farbig gepunktet ist etwas wehmütig auf Wiedersehen. "Hej då" Sterntaucher-Teich ...


... und Badesteg an der Bucht des Umeälven!



Jetzt ist das Wasser definitiv zu kalt zum Baden. Doch beim Malen lässt sich die frische Luft prima geniessen.


Den letzten Rauchschwalben gleich, machen wir uns nach einem nebligen Morgen langsam auf den Heimweg.










 
Der Vorratsschrank ist voller Schätze, die Herbst-Energie ist gespeichert für den kalten Winter -


und einen kapitalen Elch-Stier bekommen wir auch noch zu Gesicht! Die Jagd ist in vollem Gang, und unser Nachbar war bereits nach zwei Tagen erfolgreich. Ganz anders als die abschreckenden Bilder aus Schlachthöfen war es mit anzusehen, wie er sich verantwortungsvoll, fachmännisch und voller Würde um das erlegte Tier gekümmert hat. Hier ist es ganz natürlich, sich das Essen aus dem Wald zu holen. Ja, so kann man mit gutem Gewissen Bio-Fleisch geniessen.



Eine halbe Stunde vor dem Abflug können wir uns trennen von unserem zweiten Zuhause. Und wenige Minuten nach dem Start schweben wir schon über den in der Wildnis eingebetteten Storbacksjön ...


10.0 km lockerer Lauf 5:47 Min/km / Puls 126
+/- 80 hm / 14° schön, leichter NW Wind
Track http://connect.garmin.com/activity/588563393

Donnerstag, 11. September 2014

Wieder laufend unterwegs

Beim einem langen, wunderschönen Ausritt am Dienstag lerne ich nicht nur neue Preiselbeer-Gründe kennen ...



... unsere Nachbarin zeigt mir auch viele abwechslungsreiche, teils versteckte Wege und Pfade. 


Am Mittwoch steht die Morgensonne strahlend am Himmel, und ich kann es nicht lassen, in die Laufschuhe zu schlüpfen, um Andi die neu entdeckten Gegenden zu zeigen.


Gemütlich geht es erst auf sandigen Wegen dem Flugplatz entlang. Die Lunge ist wieder beschwerdefrei, der Kreislauf macht gut mit, und das Gefühl, wieder laufen zu können ist überwältigend.


Direkt neben dem Flughafengelände liegen wie an einer Schnur aufgereiht ein paar kleine Waldseen, deren Wasser blank wie ein Spiegel da liegt. 


Am Ende der der Landebahn folgt ein sandiger Fahrweg der Pistenbefeuerung ...



... und jenseits der Hauptstrasse führt uns ein steiler Waldweg auf die Elljusspår - die in der dunklen Jahreszeit beleuchtete Jogging- bzw. Langlauf-Spur.



Die Strecke ist so hügelig, eng und steinig, dass ich nicht sicher bin, ob ich es wagen würde, sie mit Langlaufskiern zu befahren. Aber zum Joggen ist der einsame Weg durch Wald und Sumpf fantastisch, zumal er ab und zu etwas Weitsicht bietet.




Obwohl ich mich ziemlich gut wieder hergestellt fühle, verzichte ich heute nach dem Laufen gerne darauf in die Bucht am Umeälven zu springen - das Wasser ist bei weitem nicht mehr 20° warm!  

Die Wandertouren sind zur Gewohnheit geworden. Es zieht uns täglich hinaus in die weite Natur. Wir hoffen am Rand von Mooren Elche zu sehen - begegnen aber nur deren Spuren. 





Darüber, dass wir auf Björnberget - dem Bärenberg - beim Preiselbeeren-Pflücken keinem Bären begegnen, sind wir jedoch sehr froh, obwohl wir die Broschüre "Om du möter ein björn" (wenn du einem Bären begegnest) genaustens studiert haben. 


Die mystische Morgennebel-Stimmung die uns heute kurz vor sieben Uhr empfängt ist mit Worten nicht zu beschreiben. 



Die Beine traben automatisch in lockerem Tempo dahin, und wir spielen mit dem Gedanken weiter als die vorgenommenen 7-8 Kilometer zu laufen. Doch da sehen wir nach knapp vier Kilometern einen Jäger auf einem Ansitz sitzen. Wir wenden, um sein Jagdglück nicht zu gefährden.
Belohnt werden wir im nächsten Weiler mit einem seltenen Anblick. Vor uns fliegt ein grauer Vogel mit langem Schwanz auf. Von der Gestalt her gleicht er einem Falken, doch der Schnabel ist zu schmal und zu spitz und die Schwingen sind zu schmal - es ist ein Kuckuck! Jährlich hört man ihn im Frühsommer rufen, doch gesehen haben wir einen solchen Vogel noch nie zuvor!







Ich bin dankbar für den wieder gefundenen gewohnten Ferien-Rhythmus. Nach den Streifzügen am frühen Morgen fühle ich mich reich mit Eindrücken beschenkt, der Tag beginnt glücklicher, das Frühstück schmeckt doppelt so gut und die Energie reicht bis zum Abend.


Es zieht uns noch einmal hinaus in die Einsamkeit des Bärenberges. Beim Beeren Sammeln lässt sich die Zeit vergessen. Hier sind die kleinen Dinge die grossen Attraktionen - der Wind, der in den Birken rauscht, ab und zu leises Vogelgezwitscher, der reich gedeckte Tisch der Natur, die Weite, die Stille, die Ruhe ...



Per Zufall finden wir bei einem Abstecher auf dem Heimweg einen lange gesuchten Aussichtspunkt von dem sich das Land meilenweit überblicken lässt. Vom etwa 300 Meter hohen "Berg" Dalskogsberget gewährt sich ein überwältigender Ausblick in Richtung Ekorrsele, zum Bärenberg auf dem wir eben noch Beeren gepflückt hatten und das Tal des Umeälven entlang. Die blauen Silhouetten der bewaldeten Hügel verlieren sich am Horizont, und es ist kein Haus und keine Strasse zu sehen! Wildnis pur so weit das Auge reicht! Wir können uns kaum sattsehen. Wir nehmen uns Zeit und sorgen mit einer gebratenen Falukorv auch für das leibliche Wohl.






Mittwoch
8.6 km Jogging 5:59 Min./km / Puls 129
+/- 75 hm / 9° schön, 93% Luftfeuchtigkeit, sanfter Wind
Track http://connect.garmin.com/activity/587150093

Donnerstag
7.8 km lockerer Lauf 5:44 Min./km / Puls 121
+/- 70 hm / 7° schön, 93 % Luftfeuchtigkeit, sanfter WSW-Wind
Track http://connect.garmin.com/activity/587835664

Montag, 8. September 2014

Kuraufenthalt statt Trainingslager

Eigentlich stünde die umfangreichste Trainingswoche vor dem München Marathon auf dem Programm. Und wir hatten vor, uns diesen annähernd 100 Kilometer in aller Ruhe in den Ferien im geliebten Lappland zu widmen ...
Die akuten Gesundheitsprobleme, die mich beim Berglauftraining auf dem Weg nach Wengen überfallen hatten, stellten sich tags darauf jedoch als Lungenentzündung heraus. Die sofort verordnete Antibiotikakur wirkte nicht richtig, so muss ich seit letztem Donnerstag während zehn Tagen gleich zwei verschiedene dieser Präparate schlucken. Seither geht es aber rasant aufwärts, der Husten ist schon fast abgeklungen. An Laufen mag ich aber noch nicht denken. Sobald ich mich anstrenge, erinnert mich der Körper mit Schweissausbrüchen daran, dass er noch etwas Erholungszeit brauche. Andi leistet mir beim Pausieren Gesellschaft, da er immer noch mit Knieproblemen zu kämpfen hat.

Gestern reisten wir trotzdem nordwärts und landeten bei Vollmondschein im noch spätsommerlich warmen Lycksele.


Statt eines "Trainingslagers" nutzen wir diese Woche zum Kurieren. Das milde Wetter lockt uns nach draussen, und erfreulicherweise reicht die Energie zum gemütlichen Radeln. Die Waldluft tut gut, und der nordschwedische Herbst, den wir zum ersten Mal erleben, verwöhnt uns mit allerlei Naturschönheiten.


Märchenhaft getupfte Fliegenpilze sind ein ganz gewöhnlicher Anblick, und die Weidenröschen haben sich in feuerrote Stauden verwandelt, die flaumige Samen tragen.


Am Nachmittag wandern wir auf schmalen Trampelpfaden dem Tannbäcken entlang. Wo wir im Sommer ruderten und paddelten, färbt sich langsam das Laub bunt.






Für den Fall der Fälle, dass wir Preiselbeeren finden sollten, tragen wir unsere Beerenpflücker mit. Die sonnenexponierten Südhänge des Tannbäcken sind voll dieser Zwergsträucher, und sie tragen so reichlich Früchte, dass wir zurück zuhause drei Liter der leuchten roten, vitaminreichen und entzündungshemmenden Beeren zu Konfiture verarbeiten können (sie sind vor allem als hervorragende Arznei gegen Harnwegsinfekte bekannt, sollen aber auch bei Fieber, Erkältung und Husten helfen). 





Während die Konfi kocht, verscheucht der sanfte Abendwind alle Wolken, so dass wir unser Abendbrot draussen über dem Feuer zubereiten können. Auch ohne "Training" werden wir müde und glücklich ins Bett sinken.