Ein Morgen wie aus dem Märchenbuch entfaltet sich, als wir uns auf dem Weg machen. Es ist strahlend sonnig und der Himmel stahlblau. Doch die Luft ist noch so kalt, dass Atemdampfwolken entstehen.
Die Gerste hat innerhalb eines Tages Grannen ausgebildet. Jedes dieser Haare trägt an der Spitze einen funkelnden Tautropfen. Das Feld glitzert in der Morgensonne, wie tausend Diamanten.
Wo sich die Sonnenwärme an den Waldrändern staut, dampft die noch nackte, dunkle Erde der Kartoffeläcker. Zarte Nebelchen kriechen zwischen den Furchen dahin.
Wir machen eigenartige Tierbeobachtungen. Auf der Strasse sonnt sich ein Bergmolch und zwischen spriessenden Maispflanzen sitzen zwei Enten.
Nach den vielen grauen Tagen ist dieser Frühsommer-Morgen wie ein Wunder!
Andi kann sich nach einer Woche in der Wüstenstadt Dubai an den Farben unserer Vegetation kaum sattsehen.
Er ist noch müde von der Zeitumstellung und dem gestrigen Nachtflug. Seine Batterien drohen auf den letzten Kilometern leer zu laufen.
Mir hilft die geballte Energie der vielen Datteln, die ich gestern Abend genascht hatte. Und unser Halbmarathon vor dem Frühstück vergeht beim Erzählen von den Ereignissen der letzten Woche wie im Fluge.
21.7 km Longrun 5:36 Min./km / Puls 132
+/- 185 hm / 12° wunderschön sonnig
Track http://connect.garmin.com/activity/314184276
Heute schlage ich die gewohnte Stecke ein. Ich hoffe, so die richtige Geschwindigkeit zu treffen.
Der Himmel ist wieder grau, die Luft feucht. Der Frühsommer hat sich aus dem Staub gemacht - es scheint für längere Zeit...
Die Äcker und Wiesen haben dennoch bereits eine beachtliche Biomasse produziert. Das Getreide reicht mir schon bis an die Hüfte!
Zum Laufen liebe ich dieses kühle Wetter. Unterwegs drückt das Grau kaum auf die Stimmung. Es rollt so gut, dass ich kaum auf die Uhr schaue und ganz in Gedanken versunken laufe.
Die Suche nach einer neuen Abkürzung durch den Silberewald bei Jegenstorf zaubert einen eindrücklichen Farbtupfer in den trüben Tag.
Dann geht es heimwärts. Die Energie-Speicher laufen nicht leer, wie am Dienstag bei Hitze, und ich freue mich schon auf den nächsten Longrun am Samstag.
Andi ist auf der Heimreise von Dubai und wird bestimmt viel zu erzählen haben - auch von seinen zwei Longruns bei über 30° auf einer neuen Route entlang des Creek.
20.6 km Longrun
5:40 Min./km
Puls 131
+/- 180 hm
12° bedeckt, feucht
Track http://connect.garmin.com/activity/313448003
Mittwoch 15. Mai
Mit vier verschiedenen Trainings-Plänen sind die lätti runners momentan unterwegs.
Der GP ist für viele ein Saison-Höhepunkt. Für die Nacht-Marathon-Läuferinnen ist er ein Testlauf. Doch die beiden, welche in Stockholm Marathon laufen werden, müssen schweren Herzens zugunsten eines 30 km Longruns auf den Stadtlauf in Bern verzichten.
Das Mittwoch-Training ist seit Wochen turbulenter als üblicherweise. Oft pendle ich per Bike zwischen verschiedenen Trainings-Gruppen.
Heute standen 30, 60 bzw, 90 Minuten locker auf dem Programm. Die einen kamen gut eingelaufen zum Treffpunkt. Und jemand nahm später eine Abkürzung. So konnten wir, wenigstens ein paar Kilometer lang, wieder mal alle zusammen laufen.
Ein Marathon - ja, im Besonderen der lange, gemeinsame Trainings-Weg auf den grossen Tag hin, war ein Geburtstags-Wunsch gewesen. Bald ist es Zeit das lange erarbeitete Geschenk abzuholen.
Vorerst viel Glück den GP Teilnehmern!
9 km unterwegs mit den lätti runners
(lockerer Lauf + 3 Steigerungen)
6:19 Min./km / Puls 115
+/- 25 hm / 14° bedeckt
Track http://connect.garmin.com/dashboard?cid=449562
Wohin soll ich laufen?
Wohin bin ich überhaupt unterwegs?
Diese Fragen beschäftigen mich seit dem Düsseldorf Marathon intensiv.
Die Antwort auf die Erste ergibt sich nach einem Kilometer wie von selbst. Ich habe überhaupt keine Lust auf unsere ausgetretene Umkehr-Strecke. Es zieht mich zum Gänsemooswald und in Richtung Grossaffoltern.
Ich laufe über Mittag, da wir mit unserem Notfallplan-Training unterwegs sind zum Stockholm-Marathon, welcher um 12 Uhr gestartet wird.
Ganz plötzlich ist es Sommer geworden. Die Löwenzahnblüten haben sich in Pusteblumen verwandelt. Jetzt verleiht der Hahnenfuss den Wiesen gelbe Farbtupfer und der Sauerampfer fügt einen Hauch rot hinzu.
Störche kreisen über den Feldern im Aufwind. Mein Kreislauf reagiert auf die plötzlich herrschende Wärme. Die Pulswerte klettern, und doch finde ich wieder nicht in einen 5:40 Min./km Rhythmus. Da die ersten Kilometer abwärts führen, hoffe ich, auf dem Heimweg die richtige Geschwindigkeit zu treffen.
Die Störche unserer Region sind im Dorfzentrum von Grossaffoltern zuhause. Über den Rand ihrer Horste gucken bereits flaumig graue Küken.
Durchs Dorf gehts aufwärts Vorimholz und Scheunenberg entgegen.
Jetzt bin ich auf dem letzten Abschnitt des Nacht-Marathons der Bieler Lauftage gelandet!
Was wohl die Störche von diesem nächtlichen Umzug halten werden?
Ob ich mit meinem Training auch auf diesen Marathon hin unterwegs bin?
Gerne möchte ich knapp eine Woche nach dem lockeren Marathon in Stockholm, zwei Lätti Runners auf ihrem langen Lauf durch die Nacht begleiten.
Neben dem Notfall-Plan liegt deshalb der 10 Wochen-Plan für einen Ultralauf. Er soll Ideen liefern, wie man an zwei aufeinander folgenden Wochenenden überlange Longruns schaffen kann. Durch eingestreutes ganz lockeres Joggen oder Alternativ-Training versuche ich trotz Regenerations-Phase annähernd auf die geforderte Belastungs-Zeit zu kommen.
Es wäre interessant, sich irgend wann auf den Weg zu einem Ultralauf zu machen...
Auf einen Schlag ist es diese Woche warm geworden. Im Limpachtal trocknet vielerorts bereits duftendes Heu auf den Feldern.
Das Laufen durch die Sommernacht muss im Juni ein intensives Erlebnis für die Nase und wohl auch die Ohren sein!
Die unebenen Feldwege werden nach 35 Kilometern den müden Füssen einiges an Gespür für den Untergrund und Balancier-Fähigkeit abverlangen.
Schliesslich wird es Zeit die Nacht-Marathon-Strecke zu verlassen. Quer durchs Tal gehts nach Wengi. Der Hügel zum Oberholz-Wald ist steil, mir ist heiss und mein Herz hämmert. Es ist wohl noch etwas früh für den ersten Longrun nach Düsseldorf!
Zudem ist das letzte Waldstück ein bisschen unheimlich. Der Weg ist schmal und das einsame Grab im Wald regt die Fantasie an. Vor dem schlichten Kreuz stehen heute frische Blumen.
Der Anblick der vertrauten Kirchturmspitze lässt mich nach der Wald-Durchquerung aufatmen. Und bald darauf stehe ich unter der kühlenden Dusche.
18.6 km Longrun
5:33 Min./km
Puls 139
+/- 190 hm / 18° schön
Track http://connect.garmin.com/activity/312587565
Gestern
7.1 km Jogging 6:04 Min./km / Puls 118
+/- 60 hm / 13° leicht bedeckt, Westwind
Track http://connect.garmin.com/activity/312159540
Während Andi im Flieger nach Dubai sitzt, zieht es mich hinaus zwischen die Felder. Ohne genaues Ziel trabe ich dahin. Der Westwind weht stark, Wolken jagen am Himmel dahin, Licht und Schatten wechseln ständig. Die Landschaft erstrahlt abwechselnd in gleissendem Sonnenschein oder wird von Nieselregen versprühenden Wolken in graue Schleier gehüllt.
Die leuchtgelben Rapsfelder wirken auf mich wie Magnete. Ich lasse sie meinen Weg bestimmen. Ich habe mir vorgenommen, ganz langsam mit einer Pace von lediglich 6:20 Min./km zu laufen. Der Westwind schiebt mich so stark, dass dies trotz extra eingestreuter Höhenmeter nicht gelingen will. Doch der Ausblick hinunter auf unseren Wohnort ist heute speziell eindrücklich.
Schwalben und Mauersegler jagen über die Felder und vollführen akrobatische Flugkunststücke. Ihre durchdringenden, schrillen Rufe sind gut zu hören, obwohl der starke Wind an meinen Haaren zerrt und um die Ohren pfeift. Es ist nur gefühlte 10 Grad warm. Und doch wecken die Mauersegler-Rufe Sommerferien-Gefühle.
Ein grasendes Reh macht die Sonntags-Idylle perfekt. Sonnenstrahlen blitzen durch das junge Blätterdach des Waldes. Nach dem langen, kalten Winter scheint das Wiedererwachen der Natur noch wundervoller als in anderen Jahren.
Am liebsten würde ich noch stundenlang so dahintraben. Kurz bleibe ich im letzten Waldstück stehen und überlege mir eine weitere Schlinge von zwei, drei Kilometern anzuhängen. Nein, für heute ist es genug!
12.6 km Jogging 6:00 Min./km / Puls 120
+/- 165 hm / 9° Sonne und Wolken, starker Westwind
Track http://connect.garmin.com/activity/311540170
Letztes Wochenende sind wir in den "Notfall-Marathon-Trainingsplan" eingestiegen. Denn wir werden am Tag des Stockholm Marathons nach Stockholm reisen. Der Lauf ist jedoch seit Januar ausverkauft - 21'500 Läufer aus 82 Nationen werden erwartet. Und wir waren nicht angemeldet.
Nach längerer Suche im Internet und vielen geschriebenen Mails, haben wir am Mittwoch doch noch zwei Startplätze gefunden. Heute landeten die Startkarten eines dänischen Paares, welches nicht am Marathon teilnehmen kann, samt Streckenkarte bereits in unserem Briefkasten.
Mit der Gewissheit, dass wir nun Startnummern erhalten werden, macht das Training gleich noch mehr Freude.
Wir sind schon ganz "aus dem Häuschen" und stellten uns unterwegs vor, wo wir in drei Wochen laufen werden.
So schafften wir locker die Distanz der ersten Runde des Stockholm Marathons, welche oft wunderschön am Wasser verläuft - vom Olympiastadion zum prachtvollen Strandvägen, dem königlichen Schloss, über die hohe Brücke "Västerbro", zum Stadthaus, in dem jeweils der Nobelpreis verliehen wird und wieder zurück zum Stadion.
Die Aufgabe, eine schnellere, zweite Trainings-Hälfte zu laufen, war bei dieser grossen Lauf-Motivation erneut zu schwierig. Sofern wir nicht bewusst bremsen, fallen wir immer in den Longrun-Trott aus der letzten Marathon-Vorbereitung (5:30 Min./km). Und dies obwohl Andi zwei Wochen nach dem Düsseldorf Marathon immer noch leichte Verspannungen in den Beinen spürt.
Mir geht es erstaunlich gut. Doch ich will nicht zu sehr rühmen und dieses Gefühl mit äusserster Vorsicht geniessen. Denn ich vermute, dass die Cortisonspritze und die Entzündungshemmer, welche meine lädierte Schulter wieder in Ordnung bringen sollen, an meinem "Runner's High" mitverantwortlich sein könnten.
16.1 km lockerer Lauf 5:40 Min./km / Puls 118
+/- 105 hm / 11° bedeckt
Track http://connect.garmin.com/activity/310914588
Beim lockeren Lauf durch den sanften Morgen-Niesel-Regen ist uns aufgefallen, dass wir immer und immer wieder den selben Trainings-Fehler machen.
Unsere Trainingsstrecke weist auf den ersten vier Kilometer 40 Höhenmeter auf. Trotzdem sind wir bis dahin meist schon schneller unterwegs, als wir im Durchschnitt über alle Kilometer laufen wollen. Auf der zweiten Trainingshälfte welche am Schluss "bergab" führt, müssen wir so regelmässig bremsen, um nicht völlig am Trainings-Ziel vorbei zu trainieren.
Bei auf Zeit gelaufenen Wettläufen gelingt eher selten ein "Negativ-Split" - eine zweite schnellere Hälfte. In Düsseldorf haben wir es z.B. nicht geschafft...
Wir haben uns vorgenommen, diese schnellere zweite Hälfte bei allen weiteren Notfall-Plan Trainings auf den Stockholm Marathon hin bewusst zu üben.
14.1 km lockerer Lauf 5:40 Min./km / Puls 123
+/- 100 hm / 14° leichter Regen
Track http://connect.garmin.com/activity/309960124
Gestern
Um den Kreislauf zu trainieren, ohne die Beine mit Schlägen zu belasten, hab ich mein Rennrad aus dem Keller geholt. Länger als ein Jahr musste es verstaubt und mit schlaffen Reifen auf einen Ausflug an die Sonne warten.
Ich brauchte sehr lange, um die Reifen zu pumpen, und natürlich hatte ich nach so langer Zeit wieder vergessen, wie die komplizierte Schaltung funktioniert...
Schliesslich flitze ich doch mit für mich ungewohnter Geschwindigkeit über unsere Trainingsstrecke. Bereits nach kaum einer Viertelstunde erreichte ich die Grenze unseres Laufreviers. Es ist abenteuerlich, wie weit man aus Läufersicht per Rennrad in einer Stunde kommt!
Meine Entdeckungsreise durch viele kleine Dörfer und entlang der neongelb blühenden Rapsfelder wäre an diesem sonnigen Tag herrlich gewesen, wenn da nicht all die Traktoren, Motorräder und Autos gewesen wären, welche unverhofft aus scheinbar jeder Seitenstrasse aufgetaucht sind. Ich war ständig im Brems-Stress. Zudem hatte ich das Gefühl, auf den Hauptstrassen allen Autos und Lastwagen im Weg zu sein. Kurz, ich war froh, als ich nach einer guten Stunde wieder lebendig zuhause ankam.
Für die nächste Rad-Tour nehme ich wieder das Bike und halte mich an die Feld- und Nebenwege...
29.5 km Rennradtour 24.9 km/h / Puls 117
+/- 270 hm / 21° schön
Track http://connect.garmin.com/activity/309632781
9.7 km unterwegs mit den lätti runners 6:49 Min./km / Puls 117
darin 8 x 3 Min. Intervalle (GP-Tempo - 10 km-Tempo).
+/- 25 hm / 22° schön
Track http://connect.garmin.com/activity/309718673
In Johans Blog bin ich heute Morgen über ein eigenartiges Wort gestolpert - "Skogsbad" - "Das Bad im Wald"! Die Japaner pflegen diese gesundheitsfördernde Aktivität und nennen sie "Shinrin-yoku".
Man nimmt dabei kein Bad in einem Teich oder Bach, sondern geht durch den Wald und profitiert von dessen vielen therapeutischen Effekten.
Japanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass besonders die Phytoncide - eine flüchtige Substanz, welche Bäume und Pflanzen zum Schutz vor Schädlingen abgeben - eine grosse messbare Auswirkung auf unseren Körper haben.
Der Spiegel des Stresshormons Cortisol sinkt, genauso wie sich der Blutdruck normalisiert. Die Herzfreuqeunz-Variabilität steigt, (ist besonders gross, wenn wir entspannt / erholt sind), das Immunsystem wird gestärkt, besonders die Aktivität der "Killer-Zellen", unseren Front Kämpfern gegen Viren und Krebszellen...
Um vom Wald angezogen zu werden, braucht es besonders jetzt im Frühling keine wissenschaftlichen Abhandlungen.
Doch ich muss gestehen, ich habe die Route des heutigen Trainings so gelegt, dass ich dieses "Wald-Baden" bewusst ausprobieren konnte.
(Dabei war ich zwar sehr locker und doch etwa 10 mal so schnell unterwegs, wie es der "Vater" der Wald-Therapie empfiehlt).
Ich hab versucht die Phytoncide aus dem Duft nach Harz und feuchter Erde heraus zu riechen.
Bald hab ich vor allem in den vielen verschiedenen "Grüntönen" gebadet - Buchen-Grün, Sauerklee-Grün, Waldmeister-Grün, Tannengrün...
Und ich hab mich umspülen lassen vom Konzert der Waldbewohner - Buchfinken-Gezwitscher, Zilpzalp-Gezilpe und Amsel-Gesang...
Veredelt wurde mein Wald-Bad durch eine Prise Ruhe, Abstand zum Alltag und Zeit für mich alleine.
Genau so wenig, wie es erstaunt, dass das unterwegs Sein im Wald einen positiven Effekt auf unseren Körper hat, so verrückt scheint mir, dass es Studien braucht, um den Wert des Waldes wieder in Erinnerung zu rufen...
12 km lockerer Lauf / 5:36 Min./km / Puls 122
+/- 85 hm / 15° schön
Track http://connect.garmin.com/activity/309117987