Sonntag, 23. September 2012

Elba-Longrun-Syndrom

Unermüdlich hatten in der Nacht die Wellen getost, und der Scirocco hat salzige Gischt durch den Campingplatz getrieben. Wir sind froh, dass wir nach der Tropennacht aufstehen dürfen.
Das Meer ist immer noch sehr aufgewühlt, sieht bleigrau aus, und dicke, schwere tief fliegende schwarze Wolken stauen sich an den Berghängen, als wir zu unserem Longrun starten. 

Heute gibt es auf dem Capo ai Pini keinen Sonnenaufgang zu bewundern. Es fallen ein paar wenige Regentropfen. Nass werden wir jedoch nicht davon, sondern vom Schweiss, den uns die Scirocco-Schwüle aus den Poren treibt. Es ist unglaublich drückend feuchtheiss!
Trotzdem erlebt Andi ein nicht enden wollendes Flow-Gefühl, während ich mich eher schwer tue. Meine Herzfrequenz ist ungewöhnlich hoch, das Körpergefühl eigenartig, und die Beine wollen dennoch nicht so langsam laufen wie geplant?!?
Trotz der unterschiedlichen Stimmung finden wir einen guten Lauf-Rhythmus und schaffen den langen Streifzug bis weit auf die Ostseite der Insel. Nach der Überquerung des Kaps laufen wir eine Weile auf der Hauptstrasse, welche sonntags früh zum Glück nicht stark befahren ist. Wir durchqueren die fruchtbare Ebene am Fusse von Capoliveri, absolvieren in Porto Azzurro eine Runde um den Yacht- und Fischerhafen und machen gar einen kleinen Abstecher auf die Pass-Strasse nach Rio nell' Elba, bevor wir uns nach 15 Kilometern auf den Rückweg machen.
In Porto Azzurro gönnen wir uns eine kurze Pause und kaufen in der Beach Bar am Dorfausgang zwei Flaschen herrlich kühles Wasser. 
Nach der Erfrischung "läuft" es sogleich viel besser. Nun schiebt uns ja auch der Rückenwind eine Weile. An der Kreuzung nach Capoliveri verabschieden wir vier Oldtimer-Carrera-Porsche auf ihrem Weg zur Fähre. Und die zweite Überquerung des 55 m hohen Capo ai Pini ist mit dem Gedanken an das darauf folgende bergab "Rollen" auch zu schaffen. Bald können wir auf der Ebene von Lacona auslaufen, und ich habe die Gewissheit auch den 99. und 100. Wochenkilometer bewältigen zu können. 
Was ist nur die Ursache für mein Elba-Longrun-Syndrom, das ich bereits letztes Jahr und auch schon bei früheren ersten langen Läufen auf der Insel erlebt hatte - diesen ungewöhnlich hohen Puls? Wärme-Untauglichkeit, Reisemüdigkeit, Akklimatisations-Schwierigkeiten???

30.0 km Longrun 5:35 Min./km / Puls 147
+/- 245 hm / 24° Scirocco und feuchtheiss
Track http://connect.garmin.com/activity/226719422

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