Donnerstag, 26. Juli 2012

Zu Besuch bei Michel von Lönneberga

Wir machen einen Tag Heimreise-Pause. Das Womo steht am Stora Holmsjön in Astrid Lindgrens Småland. Der See
liegt in der Nähe von Vimmerby, dem Geburtsort der berühmtesten Kinderbuchautorin. Und es ist nur ein Katzensprung bis nach Katthult, dem  Hof, der als Schauplatz für die Michel von Lönneberga-Filme diente.
Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, und Schweden ist so, wie man es sich beim (Vor-)lesen der Kinderbücher von Astrid Lindgren vorstellt.

Wir starten unser Training beim Badeplatz am See, über dem am Morgen sanfte Nebelchen tanzen. Bis nach Rumskulla, dem nächsten Dorf, laufen wir ein. An der Strasse blühen Lupinen in allen Farben und der Wald duftet herb nach Harz, Moos und Flechten. Die Sonne scheint, und es ist frühmorgens kurz vor sieben bereits so heiss, dass der Schweiss rinnt. Trotzdem beschliessen wir, einen 40 Minuten langen Hügellauf in mittlerer Intensität zu absolvieren.

Der Weg schlängelt sich hoch zum Weiler Katthult, der eigentlich Gibberyd heisst. In den bald erntereifen Getreidefeldern zirpen die Heuschrecken, es geht steil aufwärts, und ab und zu ist der Blick frei über die waldige Hügel-Landschaft von Småland. Es riecht förmlich nach Sommer! Und es würde uns nicht verwundern, wenn Michel und Ida uns plötzlich barfuss und singend mit einem gepackten Picknickkorb entgegen kämen. Seit der Einspielung der Michel-Filme hat sich hier nichts verändert. Jedes Haus ist gepflegt, traditionell im typischen Falunrot gestrichen, hat weisse Fensterrahmen, weisse Hauskanten und ein weisses Gartentor.

Für einen Besuch auf Katthult ist es noch zu früh. Wir müssen uns damit bescheiden, vom Parkplatz aus zum Hof hinüberzuspähen. Die Bewohner erbitten sich verständlicherweise bis um 10 Uhr Ruhe von den Besucherströmen. Doch dann kann man zum Wohnhaus spazieren, Michels Schuppen und Alfreds Knechtehaus samt Plumpsklo besichtigen. 
Wir begnügen uns gerne mit einem Blick von Ferne, denn wir haben den Filmschauplatz früher schon oft mit unseren Kindern besucht. 

Doch die drei Kraniche, die wir aufscheuchen, nehmen weniger Rücksicht. Die grossen grauen Vögel erheben sich trotz zwei Meter Flügelspannweite erstaunlich leicht nach nur zwei, drei Flügelschlägen in die Luft. Und während sie majestätisch davonfliegen, stossen sie  laut trompetende Warnrufe aus, die in der friedlichen Landschaft schneidend und wie intensives Sirenengeheul tönen.

Die Strasse geht in einen Schotterweg über, und die Steigung ist so steil, dass wir uns überlegen, sie gehend zu bewältigen. Wir schaffen es jedoch trabend über die Kuppe und begegnen  kurz vor dem Weiler Nedre Kulla einem Feldhasen. Der Weg nach Övre Kulla erscheint uns schmaler, als wir ihn in Erinnerung hatten, und wir nehmen die Wanderkarte hervor, weil wir uns nicht verlaufen wollen.
Övra Kulla besteht ebenfalls nur aus wenigen Bauernhäusern, und darauf geht's hügelabwärts ins Tal des Stångån. Das ist ein kleines Flüsschen, das gemütlich zwischen viel Schilf Vimmerby entgegenmäandert.
Nun laufen wir wieder auf Asphalt, doch die Strasse verläuft kaum ein paar Meter flach. Die Beine sind müde vom langen Reisen und wohl auch noch vom Marathon. Auf alle Fälle sind wir froh, als die 40 Minuten Tempo-Lauf um sind. 

Wir traben gemütlich nach Rumskulla zurück und machen kurz Pause, um die alten Häuser im Hembygdsgård anzuschauen (Mini-Ballenberg - gibt's in Schweden in fast jeder Gemeinde). Dabei entdecken wir, dass dort am Nachmittag Kaffee und Waffeln serviert werden. Und wir hoffen unseren Jüngsten zu einem Geburtstags-Ausflug überreden zu können.


Zurück beim See schwimmen wir eine Runde, bevor wir unsere Jungmannschaft wecken. Und am Nachmittag kommen wir tatsächlich zu den hart verdienten Waffeln.

40 Min. Mitteltempo hügelig 7.65 km 
ca. 5:14 Min./km / Puls 146  
+ 115 Höhenmeter
in 15.4 km 5:33 Min./km / Puls 133 / +/- 160 Höhenmeter / 22°
Track http://connect.garmin.com/activity/203996511 

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