Sonntag, 14. Oktober 2012

Longrun im Alleingang

Als ich kurz nach 7 Uhr erwache, erstrahlt der Morgenhimmel in zauberhaften Sonnenaufgangs-Farben, und diese hätten es glatt mit dem elbanischen Morgenrot aufnehmen können. Doch ich habe Kopfschmerzen und würde den geplanten Longrun am liebsten auf den Nachmittag schieben. Ein Blick auf die Wetterprognose mahnt aber - jetzt oder nachmittags vielleicht im Regen! Also gut...

Andi möchte mich bis Kilometer 7 begleiten und wenigstens einen 12 Kilometer langen, lockeren Lauf absolvieren. Nach knapp einer halben Stunde muss er jedoch schwitzend, mit viel zu hohem Puls auf Joggingtempo reduzieren. Seine Erkältung will einfach nicht locker lassen!

Ich ziehe wehmütig alleine des Weges - die langen Longruns, welche ich in den letzten 10 Jahren im Alleingang gelaufen bin, kann man wohl an einer Hand abzählen...
Doch ich bin froh, dass meine Beine heute zum ersten Mal seit der Erkältung nicht mehr schmerzen. Und die vorgegebenen 5:30 Min./km sind gar nicht so schwer zu laufen. Aber die vielen Hügel und Buckel auf meiner Strecke (es sind auf 32 Kilometer über 20) machen mir heute mehr zu schaffen als normalerweise. Sobald es ein bisschen aufwärts geht, steigt die Herzfrequenz überproportional.

Die Zeit vergeht dennoch erstaunlich schnell! Was einem in drei Stunden so alles durch den Kopf geht!!! In Gedanken laufe ich am Napf-Marathon mit, hänge dem verpassten Hallwilersee-Halbmarathon nach und frage mich, ob ich überhaupt noch eine Chance habe, bis in vier Wochen fit für einen (PB)-Marathon zu sein? 

Vorbei an weiteren Fliegenpilz-Verstecken, über matschige Feldwege und auf laubbedeckten Raschelstrecken durch den Wald gelange ich nach 16 Kilometern gut zum Wendepunkt (5:27 Min./km / Puls 135).

Nach dem 18. Kilometer erreiche ich den tiefsten Punkt der Strecke. Ab da geht es fünf Kilometer praktisch konstant aufwärts. Nach 20 Kilometern geht mir langsam die Energie aus. Die Beine fühlen sich leer an und der Puls klettert fast auf Mitteltempo-Niveau. Das Laufen fühlt sich nicht so mühsam an wie beim ersten Longrun auf Elba. Die Pace lässt sich halten, und ich kann bei Kilometer 29 gut an der Abkürzung nach Hause vorbeilaufen.
Doch das Leere-Gefühl gibt mir zu denken. Während der ganzen letzten Woche bin ich nur kurz und sehr sehr locker gelaufen - da hätten doch die Speicher voll sein müssen! Hat die Abwehrtätigkeit des Immunsystems so intensiv die ganzen Energievorräte weggefressen?
Ein Monat vor einem Marathon müsste doch die Lust 42.195 Kilometer zu laufen langsam erwachen und ein Flow-Gefühl zu spüren sein... Ich hoffe, die letzten harten Trainingswochen in Elba waren nicht ganz umsonst!

32 km Longrun 5:28 Min./km / Puls 141
+/- 235 hm / 9°
Track http://connect.garmin.com/activity/233242501

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